Aydaعايدة 


November 2021

            In wohl keiner anderen Kultursparte halten sich stereotype, exotisierende und rassistische Darstellungen und Narrative so hartnäckig wie in der Oper. So wird etwa die äthiopische Prinzessin Aida in der gleichnamigen Oper von Giuseppe Verdi bis heute regelmäßig mit Blackfacing dargestellt. Den Kompositionsauftrag bekam Giuseppe Verdi im Rahmen der Eröffnung des Suezkanals, sodass auch der Kontext der kolonialen Verhältnisse der Zeit zum Nachdenken anregen könnte.  Genau das haben das Leitungsteam Damian Ibn Salem, Neam Tarek und Eva Morlang getan und haben eine Musiktheater-Produktion auf die Beine gestellt, die sich an dem Stoff abarbeitet.

Damian Ibn Salem und Neam Tarek haben künstlerisch Fragmente aus Verdis „Aida“, die Kammeroper „Radames“ von Péter Eötvös sowie klassische ägyptische Musik und Poesie zu einem Gesamtkunstwerk verwoben, umrahmt mit Videokunst von Eliza Goldox. Klassische Helden gibt es in „ Ayda“ nicht. Niemand ist in einer klaren Opferrolle, niemand ist richtig frei. Ayda ist weder Prinzessin noch Sklavin, sie ist komplex: sexy, stark und kämpferisch, gleichzeitig traditionell. Wir erleben Versionen der Ayda in verschiedene gesellschaftlichen Klassen und verschiedenen Jahrhunderten, so etwa zur Zeit der ägyptischen Revolution 1952.

In einer weiteren Ebene des Stücks wird thematisiert, wie die mitteleuropäische Hochkultur mit außereuropäischer Kultur umgeht und sich diese aneignet. Dazu erklingt etwa ein Lied aus Maurice Ravels „Shéhérazade “. Edward Said beschreibt in seinem einflussreichen Buch Orientalismus als theatral: der Orient ist eine Bühne, auf die der ganze Osten reduziert wird. Die Figuren auf dieser Bühne haben die Rolle, das große Ganze zu repräsentieren. Die Sphinx, Cleopatra, Isis und Osiris, der Flaschengeist – Figuren, die von jeher Stoff für Geschichten und Projektionen waren, und Stereotype hervorbrachten, auf die bis heute Menschen reduziert werden. E in Lied aus der Operette „Shahrazad“ des ägyptischen Komponisten Sayed Darwish wird dem gegenüber gestellt.

8.11. 20 Uhr | 27 & 28.11. 19 Uhr im Museum der bildenden Künste Leipzig

Kooperationspartner: MdbK, Forum Musiktheater heute, Schaubühne Lindenfels
Gefördert durch die Stadt Leipzig und Neustart Kultur Gefördert im Programm „360° – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft“

Beteiligte

Künstlerisches Konzept: Damian Ibn Salem & Neam Tarek
Projektleitung: Eva Morlang, Damian Ibn Salem, Neam Tarek
Schauspiel-Regie: Leonie Sowa
Videokunst: Eliza Goldox
Öffentlichkeitsarbeit: Eva Morlang

Performers: Ayda-Lisa Agwa Mona Ragy Enayat Farah Hana Hazem Chen-Han Lin Marc-Eric Schmidt

Chor: Pablo Gallardo Alma Rouabah Meriem Rouabah Thomas Campbell Tyler-Williams Reem Yousfi Douae Zogarh

instrumentalists: Neasa Ní Bhriain - Viola Elija la Bonté - Violine Davide Carlassara - Cello Dannis Castillo - Kontrabass Jakob Hagen - Tuba Damian Ibn Salem - Klavier Aaron Lampert - Horn Artem Sargsyan - Saxophon Wassili Wohlgemuth - Violine

ayda@forte-leipzig.com


 







                                                                                                                            Foto©Miguel Cornejo